5 Fragen an einen Management-Studenten

Im Gespräch mit Jan F. Ude, Mitgründer der ettics GmbH

Jan-F. Ude, ettics X FÜLLBAR

Mit der Gründung der Füllbar im Jahr 2017 haben neun junge Menschen, hauptsächlich Studierende der Universität Witten/Herdecke (UW/H), ihr Ziel umgesetzt, Nachhaltigkeit in Form eines Unverpackt-Ladens lokal zu fördern. 2019 wurde das Sortiment um faire Mode erweitert. Im ettics X FÜLLBAR concept store gibt es Alternativen zu konventionellem Konsum und damit alles für den Einstieg in einen nachhaltigen Lebensstil: von Haferflocken über Bambuszahnbürsten und plastikfreie Kosmetik bis hin zur Blue Jeans. www.ettics.com

Jan-F. Ude ist Mitgründer der ettics GmbH, welche die ettics X Füllbar concept stores betreibt. In der Ideen- und Gründungsphase war er als zusätzlicher Geschäftsführer aktiv. Er studiert an der UW/H Management.

 

In Zeiten von Corona ein Geschäft abseits des Online-Handels eröffnen? Seid ihr verrückt?

In diesen Zeiten muss man verrückt sein, sonst kommt man nicht weiter. Kopf in den Sand stecken gilt nicht! – aber ganz ehrlich: Wir glauben, dass die Zukunft nachhaltig sein muss. Jetzt ist die Zeit des Umdenkens. Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen bewusst ihren Konsum hinterfragt. Aber an der hohen Nachfrage in unserem Store merken wir, dass unser Konzept ankommt. „Fair“ gehört die Zukunft – davon sind wir überzeugt.

 

Was ist euch wichtig, wenn es um den Verkauf von Kleidung, Lebensmitteln und anderen Artikeln geht?

Besonders wichtig ist es für uns, dass alles unter fairen Bedingungen hergestellt wird und die Rohstoffe nachhaltig sind. Dabei achten wir auch auf etablierte Label und Zertifizierungen, die unsere Marken jeweils erfüllen – diese nutzen zum Beispiel ARMEDANGELS oder Nudie Jeans. Auch der modische Anspruch ist uns wichtig. Mit unseren Marken treten wir den Beweis an, dass Fair Fashion in Sachen Qualität und Stil konventionellen Klamotten in nichts nachsteht. Als Bonus erhalten unsere Kundinnen und Kunden ein gutes Gewissen und Informationen über die sozialverträgliche Produktion gleich mit dazu.

Unsere Lebensmittel beziehen wir alle in Bio-Qualität und möglichst regional. Unsere Haferflocken kommen beispielsweise von der Kornkammer Haus Holte in Witten, das Gemüse von Hof Sackern in Wetter und der Quinoa von einem Bio-Bauernhof aus dem Münsterland.

 

Ihr eröffnet im August 2020 euer zweites Geschäft in Dortmund. Seid ihr so erfolgreich mit eurem Konzept?

Wir sind mit der Füllbar Witten im Frühjahr 2017 gestartet. Damit wurde der Grundstein für unseren heutigen Erfolg und die große soziale Wirkung gelegt. Seit dem Umzug in unsere jetzigen Räumlichkeiten in der Wittener Innenstadt im Frühjahr 2019 sind wir auch betriebswirtschaftlich erfolgreich. In erster Linie geht es uns aber um die gesellschaftliche Wirkung, die wir erzeugen. Viele Menschen möchten ihren Alltag nachhaltiger gestalten, wir bieten ihnen dazu die Möglichkeiten und erklären, was sich einfach umsetzen lässt. Das kommt hier in Witten sehr gut an, was wir an unserer großen Stammkundschaft merken. Daher nutzen wir jetzt die Gunst der Stunde und möchten unser Angebot auch den Dortmunderinnen und Dortmundern nicht vorenthalten.

Was waren bis jetzt die größten Hürden bei eurer Expansion?

Wachstum gehörte von Anfang an zu unserem Konzept. Durch die Coronavirus-Krise wurden wir in den Planungen natürlich etwas zurückgeworfen, weil in der Politik und im Handel plötzlich alles in Frage gestellt wurde. Für uns stand Aufgeben jedoch nie zur Debatte. Die Welt braucht innovative Konzepte - jetzt erst recht.  

Und gerade jetzt erhalten wir viel Unterstützung von allen möglichen Seiten. Allen voran steht unser großartiges Team noch enger zusammen und alle helfen gemeinsam, die aktuelle Zeit und die Neueröffnung positiv zu gestalten. Unsere regionalen Finanzierungspartner stehen uns bei finanziellen Fragen immer zur Seite und durch unsere Crowdfunding-Kampagne "ohne euch kein wir", die noch bis zum 15. Juli 2020 läuft, binden wir auch unsere Community in die Neugestaltung des Dortmunder Stores mit ein.

 

Wie hilfreich ist es, dass du Management studierst? Hilft dir dein Studium konkret im Business? Wenn ja, wie?

Ich denke, das Management-Studium gibt mir eine gute Grundlage für meine alltäglichen Aufgaben hier bei ettics. Ähnlich wie im Studium bin ich auch hier ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die es pragmatisch und zielgerichtet zu lösen gilt. Da ist es schon sehr hilfreich, dass ich gelernt habe, wie bestimmte wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren oder welche Erkenntnisse der Führung von Mitarbeitenden gerade aktuell sind. Beispielsweise ist es in Finanzierungsgesprächen mit Banken definitiv hilfreich, wenn man grundlegend verstanden hat, wie diese ihre Risiken bewerten und Erfolgsaussichten einschätzen. Dann wird man gleich ernstgenommen und kann ganz anders verhandeln, auch wenn der Business-Plan am Anfang vor allem auf dem Papier bestand.

Und durch die vielen verschiedenen Seminare und Kurse habe ich schnell gelernt, was ich kann und wo meine Grenzen liegen. Dafür kenne ich jetzt viele Studienkolleginnen und -kollegen, bei denen ich einfach mal nachfragen kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Eröffnung eures neuen Stores!

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