Was suchen Investoren bei Gründern?

Im Gespräch mit Peter Richarz, Managing Partner bei Dieter von Holtzbrinck Ventures

Die Idee für ein Startup ist gefunden, die ersten Pläne sind geschmiedet – aber wie kommen Gründerinnen und Gründer an wertvolles Kapital, um die Idee auch erfolgreich umzusetzen? Hier können erfahrene Investoren eine Schlüsselrolle spielen. Und wie man hier eine gute Figur macht, erklärt Peter Richarz von Dieter von Holtzbrinck Ventures aus Köln.

Über Peter Richarz

Peter Richarz ist seit mehr als 20 Jahren in der deutschen Startup-Szene tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Risikokapital und Firmenaufbau. In dieser Zeit hat er zahlreiche Technologieunternehmen gegründet. Er ist Mentor der "Digital International Partnership Cologne/ Tel Aviv".

Peter ist Co-Founder des Kölner Company Builder crossventures und von Design Bestseller, einer der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Plattformen für Designermöbel in Europa. Davor war er Geschäftsführer von Media Ventures, der Beteiligungsgesellschaft der Medienunternehmer Dirk Ströer und Udo Müller mit über 38 Portfoliounternehmen, darunter neu.de, pkw.de, weg.de, Ströer Interactive.

Peter Richarz lebt mit seiner Familie in der Nähe von Köln und ist fasziniert von Natur, Fotografie und Architektur - und vom Kölner Karneval.

Wann ist es für einen Investor interessant, in ein Startup zu investieren?

Uns erreichen regelmäßig Pitch Decks und Business-Pläne aus unterschiedlichsten Branchen, die wir sehr aufmerksam studieren und verstehen wollen. Gerade in der Frühphase eines Unternehmens ist es nicht immer leicht, die Marktchancen und -risiken eines Startups bis ins kleinste Detail zu beleuchten. Häufig können noch nicht alle Facetten beleuchtet werden, Technologien befinden sich noch in der Entwicklung oder regulatorische Hürden sind noch nicht genommen.

Ein entscheidendes Kriterium aber bleibt, das alleine über ein Investment entscheiden kann: Unser Vertrauen in die Gründer. Vertrauen entsteht nicht aus dem Nichts; es bildet sich langsam, wenn wir gewisse Eigenschaften in der Persönlichkeit der Gründerinnen und Gründer sehen. Natürlich beruhigt es auch uns, wenn wir Klarheit im Denken, die Fähigkeit zur Fokussierung, Ergebnisorientierung oder auch Entscheidungs- und Konfliktlösungstalent erkennen. Das sind Eigenschaften, die elementar sind, um ein Unternehmen aufzubauen.

Um ein Startup von der Seed- in die Wachstumsphase zu bringen, braucht es mehr als das. Es ist vor allem ein Punkt, auf den wir vermehrt achten: Die Fähigkeit des Gründerteams aus einem Metathema ein Produkt zu machen, für das es einen Markt gibt.

 

Wie ist das Verhältnis von Produkt und Markt?

Wir glauben nicht daran, dass Startups lediglich das passende Angebot bieten müssen, um sich einen Markt zu schaffen. Das funktioniert so nicht. Viel wichtiger ist - wie schon erwähnt - das Gespür, wie ein Trend bzw. ein Metathema einen bestehenden Markt verändern wird. Was bedeutet ein Trend für bestehende Produkte und damit für den Wettbewerb? Wie wird ein Trend einen Markt verändern? Wie wird das Produkt der Gründerinnen und Gründer auf dem Markt angenommen werden?

Ein gutes Beispiel sind die beiden Absolventen der Universität Witten/Herdecke, Dr. Daniel Schütt und Stefan Peukert. Sie haben mit Masterplan.com ein Produkt gebaut, das auf einem etablierten Markt mit digitalen Mitteln ein Angebot schafft, das als erstes die Auswirkungen dessen, was wir als New Work kennen, aufgreift. Und deshalb funktioniert es.

 

War das Thema New Work für Euch als Investoren besonders interessant?

Wie bereits erwähnt: Das Thema ist für sich genommen erstmal nur da. Interessant für uns als Investor wird es dann, wenn ein konkretes Produkt mit einem digitalen Geschäftsmodell daraus wird. Wenn es dann noch ein Produkt für eine Branche ist, die ohnehin am Beginn der digitalen Transformation steht – so wie die Bildungsbranche – dann sind wir noch mal interessierter.

Mit Masterplan haben die beiden Alumni bereits ihr zweites Startup an den Start gebracht, das sich mit dem Metathema “Zukunft der Arbeit” beschäftigt. Wenn wir ehrlich sind, wollten wir bereits in ihre erste Gründung - Employour - investieren, die sie später erfolgreich an Bertelsmann verkauft haben.

Daniel und Stefan haben erkannt, dass Trends wie Homeoffice, Vertrauensarbeitszeit und -ort sowie zunehmende Auflösung der strikten Trennung von Arbeits- und Privatleben ganz konkrete Herausforderungen für etablierte Produkte mit sich bringen. So zum Beispiel auch beim Thema berufliche Weiterbildung. Ihre Ausgangsthese: Wenn berufliche Weiterbildung in einem sehr privaten Umfeld - im Homeoffice - und somit teilweise in der Freizeit stattfindet, dann muss ein funktionierendes Weiterbildungsangebot nicht nur fachlich gut sein, sondern den gleichen Unterhaltungswert und eine ähnliche User Experience wie Freizeitangebote haben.

Um es anders auszudrücken - es muss mit Netflix konkurrieren können. Und genau das schafft Masterplan. Daniel und Stefan haben es geschafft, ein Netflix für die berufliche Weiterbildung zu bauen. Unternehmen schließen für ihre Mitarbeiter Lizenzen ab und diese haben dann Zugriff auf sämtliche Lerninhalte der Plattform. Diese sind so konzipiert, dass die Videos einen hohen Unterhaltungswert haben. Das Tracking auf der Plattform zeigt, dass User deutlich mehr Zeit für die Weiterbildung aufbringen als mit herkömmlichen Angeboten des Telelearnings.

 

Was bedeutet das für einen Pitch bei Euch?

Wir lieben Querdenker, die das auf den ersten Blick Unmögliche schaffen wollen und - so wie wir - dabei eine hohe Risikobereitschaft zeigen. Menschen, die mit dem Selbstbewusstsein antreten, gegen alle möglichen Widerstände mit uns gemeinsam Hürden zu überwinden.  Und wir lieben den Glauben an die Zukunft und an das eigene Können. Aber wir sind nicht naiv. Wir investieren das Geld anderer Menschen und das bringt Verantwortung mit sich. Deshalb mein Rat an alle Gründer:

Zeigt uns, dass Ihr den Markt, den Ihr angreifen wollt, wirklich versteht. Das könnt Ihr auf verschiedene Arten machen. Belegbare Erfahrungen in dem Markt schaden nie. Auch wenn Ihr schon mal in einem Startup oder im Digitalbereich gearbeitet habt und wisst, wie man Geschwindigkeit aufnimmt und schnell zu Ergebnissen kommt, spricht das für Euch.

Wichtiger ist uns aber etwas anderes; dabei helfen die genannten Erfahrungen, sie sind aber nicht zwingende Voraussetzung. Wir haben schon häufiger in Teams investiert, die entweder branchenfremd waren oder gerade frisch von der Uni kamen. Wichtig ist, dass wir sehen, dass Ihr Euch mit dem Markt intensiv auseinandergesetzt habt. Ihr kennt die bestehenden Produkte, Wettbewerber und Geschäftsmodelle des Marktes und habt einen Plan, wie man diese neu denken, den Markt unter Druck setzen und sich dabei durchsetzen kann.

Zeigt uns, dass Ihr einen Trend von einem Hype unterscheiden könnt und dass Ihr sehr genau wisst, dass hinter jedem Hype dennoch ein Trend stehen kann. Auf Trends setzen wir sehr gerne, einem Hype laufen wir nicht hinterher.

Und zu guter Letzt, zeigt uns Euer Produkt. Ein Businessplan ist wichtig, damit wir sehen, dass Ihr versiert und realistisch mit Zahlen umgehen könnt. Ein belastbares Geschäftsmodell zeigt uns erneut Eure Branchenkenntnis. Womit Ihr uns allerdings am nachhaltigsten beeindrucken könnt, sind Designs, Prototypen, Klick-Dummies oder sogar ein funktionierendes Minimum Viable Product (MVP).

Vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Über Dieter von Holtzbrinck Ventures

Dieter von Holtzbrinck Ventures (DvH Ventures) ist einer der aktivsten europäischen Frühphaseninvestoren. Als unabhängiger Risikokapitalgeber investiert DvH Ventures in junge Technologie-Unternehmen und baut dabei erfolgreiche Investment-Cluster unter anderem in den Bereichen Digital Health, Education und FinTech auf.

Neben Kapital unterstützt DvH Ventures mit Management-Expertise sowie einem internationalen Investorennetzwerk. Ein exklusives Media-for-Equity Programm bietet darüber hinaus Zugang zu starken Marken wie Handelsblatt, DIE ZEIT, WirtschaftsWoche oder der Apotheken Umschau und damit eine enorme Reichweite in die jeweiligen Zielgruppen.

DvH Ventures wurde 2014 gegründet und verwaltet heute aus den Büros in Köln und Wien verschiedene Venture Capital Fonds. Managing Partner sind Peter Richarz und Fabian von Trotha.

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