Hier zählst du als Mensch: Zwei Studentinnen über das Bewerbungsverfahren an der UW/H
Anna Kellerer und Marie Holzing haben 2024 ihr Medizinstudium begonnen. Sie erzählen, worauf es bei der Bewerbung wirklich ankommt und warum sie das Verfahren in Witten überzeugt hat.
Eine Besonderheit der UW/H ist ihr Bewerbungsverfahren: Im Mittelpunkt stehen nicht allein Abschlussnoten, sondern die Menschen dahinter – ihre Persönlichkeit, ihre Haltung und die Motivation, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Denn die UW/H sucht Studierende, die Lust haben, sich sowohl fachlich als auch persönlich weiterzuentwickeln und ihren Studienweg aktiv mitzugestalten.
Neben formellen Unterlagen gehört zur Bewerbung daher auch ein selbstverfasstes Motivationsschreiben. Darin können Studieninteressierte zeigen, was sie als Person definiert, was sie antreibt und warum sie sich für genau diesen Studiengang an der UW/H entschieden haben. Wer mit seiner Bewerbung überzeugt, wird in der nächsten Runde zu einem Auswahltag eingeladen. Bei diesem ersten persönlichen Aufeinandertreffen haben beide Seiten die Gelegenheit, sich besser kennenzulernen, und zu prüfen, ob Vorstellungen, Werte und Lernkultur zueinander passen.
Anna Kellerer und Marie Holzing haben diesen Weg bereits hinter sich. Beide sind 2024 für das Medizinstudium nach Witten gezogen. Im Bewerbungsprozess ging es für sie nicht nur um die Frage, ob sie einen Studienplatz bekommen, sondern auch darum, wie sie Medizin lernen möchten. Beim Auswahltag sind sie sich das erste Mal begegnet und schnell entstand daraus eine Freundschaft. Für die Studentinnen war dieser Kontakt sehr wertvoll und hat ihnen den Start ins Studium erleichtert. Mit uns sprechen sie über ihre Sicht auf das Bewerbungsverfahren an der UW/H und zeigen, was angehende Ärzt:innen ausmacht: Motivation, Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, Gesundheitsversorgung ganzheitlich weiterzudenken.
Wie blickt ihr auf das Bewerbungsverfahren zurück?
Marie: Ich sehe dieses Verfahren als großen Vorteil. Auf der einen Seite hat die Uni die Möglichkeit, die Menschen hinter den Bewerbungen kennenzulernen und ihre Motivation zu verstehen. Aber auch für mich persönlich war dieser Weg gut. Denn die Abiturnote sagt nichts darüber aus, ob man für den künftigen Beruf der Ärztin bzw. des Arztes geeignet ist. In der Schule gibt es so viele Fächer – manche liegen einem, andere weniger. Der Abischnitt sollte nicht darüber entscheiden, welchen Beruf man später ausüben kann. Im Umgang mit Patient:innen kommt es vor allem auf soziale Kompetenzen an und diese werden in der Schule kaum bewertet.
Fiel es euch leicht, das Motivationsschreiben zu verfassen? Welche Tipps habt ihr für Bewerber:innen, die diesen Schritt noch vor sich haben?
Marie: Es kommt vor allem auf Ehrlichkeit an. Man sollte nicht einfach etwas kopieren, das man im Internet gefunden hat, sondern über die eigene Motivation schreiben. Mir war es wichtig, meine Lebensgeschichte einzubringen. Es gab super viele kleine Punkte in meinem Leben, die meinen Wunsch, Medizin zu studieren, geformt haben. Um überhaupt einen Einstieg zu finden, kann es helfen, eine Mindmap zu erstellen und Gedanken sowie Themen zu strukturieren.
Anna: Mir fiel es zunächst schwer, meine Persönlichkeit zu beschreiben. Ich habe mich mit Familienmitgliedern und Freund:innen unterhalten, um zu erfahren, wie sie mich als Mensch sehen. Außerdem habe ich eher durch die Beschreibungen meiner Erlebnisse, Taten und Entscheidungen versucht zu zeigen, wer ich bin. Es können auch besondere Familiensituationen oder Einschnitte im Leben sein, die einen nachhaltig beeinflussen – all das kann man einbringen.
Nachdem ihr eine positive Rückmeldung auf eure Bewerbung erhalten hattet, stand der Auswahltag an. Mit welchem Gefühl seid ihr in das Gespräch gegangen?
Marie: Für mich war die Bewerbung die letzte Chance auf ein Medizinstudium. Dementsprechend war ich extrem aufgeregt und habe mich selbst unter Druck gesetzt. Ich habe mich aber schnell willkommen gefühlt, was die Nervosität gemildert hat. Natürlich gab es während des Gesprächs auch knifflige Fragen, darauf war ich vorbereitet. Ansonsten nehme ich vor allem mit, dass uns das gemeinsame Erlebnis als Bewerber:innen unmittelbar zusammengeschweißt hat. Umso schöner war es, am ersten Uni-Tag viele bekannte Gesichter wiederzusehen.
Anna: Mit sehr viel Neugier. Natürlich war es auch aufregend, weil ich vorher noch nie in einer ähnlichen Situation war und dies auch die erste Uni war, an der ich mich beworben hatte. Als wir ankamen, war es aber total nett, weil wir eine ganz kleine Gruppe waren und sich erstmal alle Prüfer:innen und Studierenden aus dem Auswahlkomitee vorgestellt haben. Das hat gleich eine persönliche Ebene geschaffen und ich habe mich durch den schönen Empfang sehr wertgeschätzt gefühlt. Das Gespräch selbst war ebenfalls angenehm und persönlich.
Wie habt ihr euch auf den Vortrag vorbereitet?
Anna: Wir mussten uns im Vorfeld eine gesellschafts- oder gesundheitspolitische Fragestellung aussuchen und dazu einen Vortrag ausarbeiten. Ich habe ein Thema gewählt, das mir ein persönliches Anliegen war und mir dann die Fragen gestellt: Wo finde ich die nötigen Hintergrundinformationen? Wie strukturiere ich meinen Vortrag? Und wie schaffe ich es, meine Botschaften zu veranschaulichen, ohne Bilder oder andere Hilfsmittel zu nutzen. Mit meinen Notizen fühlte ich mich gut vorbereitet. Das anschließende Gespräch bzw. die Rückfragen waren sehr angenehm und auf Augenhöhe.
Was ist euch von dem Tag besonders in Erinnerung geblieben?
Marie: Was ich auffällig und spannend fand, war, dass die Bewerber:innen alle sehr unterschiedlich waren – sowohl von ihrer Persönlichkeit als auch von ihrem Werdegang. Hier zählt wirklich der Mensch mit seinen individuellen Stärken und Beweggründen. Das ist total schön und diese Vielfalt bereichert uns noch jetzt im Uni-Alltag. Daher würde ich jeder und jedem raten, sich am Auswahltag nicht zu verstellen. Wichtig ist, ehrlich zu sein und man selbst zu bleiben.
Hat der Auswahltag dazu beigetragen, dass ihr die Uni besser kennenlernen konntet?
Anna: Definitiv! Zum Abschluss haben wir eine Führung über den Campus bekommen – uns wurde gesagt, dass sich die Uni auch bei den Studierenden „bewirbt“. Diesen Gedanken finde ich sehr schön und der Rundgang war besonders für diejenigen wertvoll, die wie ich die UW/H vorher noch nicht besuchen konnten. Man bekommt einen guten Überblick über die Hotspots des Campus – wie die Cafeteria, die Bibliothek und Lernplätze oder auch die Dachterrasse im Holzgebäude. Alle Uni-Angehörigen, die wir getroffen haben – z. B. aus dem Studiensekretariat – haben angeboten, dass wir uns immer an sie wenden können.
Marie: Ich fand es besonders wertvoll, mit Studierenden aus dem Auswahlkomitee über Witten als Studienort sprechen zu können. Ich komme aus Berlin und da war es für mich natürlich wichtig zu erfahren, wie die Lebensqualität in einer Kleinstadt ist.
Könntet ihr euch vorstellen, selbst im Auswahlkomitee zu sein?
Marie: Auf jeden Fall! Dabei geht es weniger darum, andere zu bewerten, sondern darum, die Uni mitzugestalten. Die UW/H lebt von den Studierenden und ihren Impulsen. Feedback wird hier geschätzt und angenommen, um als Universität zu wachsen.
Anna: Studis kennen die Uni sehr gut und wissen, welche Eigenschaften wichtig sind und welche Herausforderungen auf einen zukommen. Das Auswahlgespräch gibt deshalb einen viel besseren Eindruck von der Persönlichkeit als eine anonyme Matrikelnummer. Die UW/H vertraut dem Urteil der Studierenden und gewichtet ihre Einschätzung im Auswahlkomitee genauso wie das der Lehrenden.
Habt ihr abschließende Tipps?
Anna: Wenn du die Möglichkeit hast, nimm dir eine Begleitung als seelischen Beistand mit. Das beruhigt ungemein. Plane genügend Zeit ein, um dich nicht mit Anreise und Orientierung vor Ort zu stressen. Zieh an, worin du dich wohlfühlst. Einige Bewerbende waren sehr schick, andere legerer gekleidet und beides war okay.
In wenigen Schritten zur Bewerbung an der UW/H
Das Bewerbungsverfahren verläuft in allen Bachelor- und Staatsexamen-Studiengängen ähnlich:
- Du reichst deine Bewerbungsunterlagen und dein Motivationsschreiben online ein. In der Zahnmedizin ist eine zusätzliche Postsendung erforderlich.
- Sind deine Unterlagen vollständig, erhältst du – je nach Studiengang – eine Einladung zu den nächsten Schritten im Auswahlverfahren. Für den Studiengang Humanmedizin ist dies zunächst ein kurzes Gespräch per Zoom. Bei positiver Rückmeldung folgt die Einladung zu einem persönlichen Auswahltag. Dort hast du die Möglichkeit, dich vorzustellen, deine Motivation zu zeigen sowie Studierende und Lehrende kennenzulernen. Für Bewerber:innen des Studiengangs Zahnmedizin umfasst der Auswahltag zusätzlich einen schriftlichen und einen praktischen Test.
- Erhältst du eine Zusage, kannst du dich an der UW/H einschreiben.
Genau Informationen zur Bewerbung auf deinen Wunschstudiengang findest du auf uni-wh.de.