Mut zum Neuanfang: Wie Alicia ihren Platz in Witten fand
Ein Umzug nach NRW, ein Studienwechsel und die Erfüllung eines Traums: Alicia Kannenberg erzählt, wie aus einem Kulturschock echte Verbundenheit wurde – und warum Witten für sie mehr ist als ein Studienort.
Für Alicia Kannenberg war klar: Nach dem Abitur wollte sie raus aus ihrer Heimatstadt Hamburg und „unbedingt woanders hin.“ Am liebsten nach NRW, dem Bundesland, das sie von der Mentalität der Menschen am meisten angesprochen hat. Auch die Nähe zu den Niederlanden und eine machbare Fahrtzeit zurück in die Heimat sprachen für sich. Da Alicias erste Bewerbung für ein Zahnmedizin-Studium an der Universität Witten/Herdecke nicht erfolgreich war, ging sie zunächst für einige Semester nach Münster, um dort Pharmazie zu studieren.
Sie merkte schnell, dass das Studium nicht zu ihr passte. Seit sie 16 war, träumte sie davon, Zahnärztin zu werden. Ein Gespräch mit einer Medizin-Studentin aus Witten entfachte bei ihr den Gedanken, es erneut an der UW/H zu probieren. Doch zunächst war die Sorge zu groß, noch einmal abgelehnt zu werden. Freund:innen haben sie schließlich ermutigt, den Schritt zu gehen. Mit Erfolg. „Ich kann nicht sagen, wie sehr ich mich gefreut habe. Dank dem Umgekehrten Generationenvertrag kann ich mir das Studium auch finanziell leisten.“
Von einem kleinen Kulturschock zu neuen Lieblingsorten
Nachdem die Zusage von der UW/H bei ihr eingetroffen war, hat sie Münster zwar ein wenig nachgetrauert, sich aber gleichzeitig auf das Angekommen in Witten gefreut. Das erste Mal gesehen hatte sie die Stadt bereits bei ihrem Auswahlgespräch 2022 und das war „ein kleiner Kulturschock“, vor allem wenn man – wie sie – aus einer Großstadt kommt. „Man macht sich keine Gedanken, dass manche Dinge nicht so selbstverständlich sind. Für mich war klar, dass es eine S-Bahn und eine U-Bahn geben muss. Dass das in vielen Städten nicht so ist, war mir nicht so bewusst. Aber ich finde die Uni so toll, dass ich gesagt habe, ich mache das auf jeden Fall. Denn das, war hier angeboten wird, und der Campus insgesamt sind es einfach wert. Ich mag es zum Beispiel, dass die Uni an einem Ort und nicht über die Stadt verteilt ist; das macht es einfach näher und persönlicher.“
Alicia hat zusammen mit einem Medizin-Studenten und einer Zahnmedizin-Kommilitonin aus ihrem Semester eine WG gegründet, direkt in der Innenstadt. Gefunden haben sich die drei über WG-Gesucht. „Das macht es einem natürlich einfacher, wenn noch eine Person da ist, die dasselbe erlebt wie man selbst, und mit der man über alles reden kann. Und um uns herum haben wir alles, was wir brauchen. In Münster hast du nicht so einfach was in der Stadtmitte gekriegt.“ An ihrem ersten Unitag haben die beiden Zahnmedizin-Studentinnen direkt Freundschaft mit einer weiteren Kommilitonin geschlossen. Als Dreiergruppe unterstützen sie sich nun gegenseitig. Da in einem Jahrgang nur 48 Studierende sind und sie so viel Zeit miteinander verbringen, ist es nicht schwierig, Kontakte zu knüpfen. Auch die gemeinsame Ersti-Fahrt hat ihren Teil dazu beigetragen.
Über Angebote wie den kostenlosen Hochschulsport und die Kurse im Studium fundamentale lernt Alicia außerdem neue Leute „außerhalb der eigenen Bubble“ kennen. Dieses Semester belegt sie das Kolloquium Feldversuch, in dem Studierende sich mit nachhaltiger, gesunder und regionaler Ernährung auseinandersetzen. Sie reflektieren ihr eigenes Ernährungsverhalten und erleben die Grundzüge nachhaltiger Landwirtschaft ganz praktisch auf dem Acker, der an die UW/H angrenzt. „Ich finde es toll, dass die Uni Nachhaltigkeit als so etwas Wichtiges ansieht. Sie ist einfach eine große Institution mit viel Einfluss und ich finde es gut, dass sie diese Verantwortung ernstnimmt“, sagt die 25-Jährige.
Ein Blick über den eigenen Tellerrand
Zu ihren Lieblingsorten in Witten gehören der Lutherpark oder das Café in der Alten Feuerwache. Es beeindruckt sie, wie sehr die Studierenden durch ihr Engagement und die Arbeit in Initiativen die Stadt prägen. Auch weiß Alicia die Anbindungen an andere Städte zu schätzen: So hat sie verschiedene Möglichkeiten, um mit der Bahn zu ihrem Freund nach Münster zu fahren. Dass in NRW viele Städte auf kleinem Raum sind, begeistert sie ebenfalls: „Das habe ich schon öfter genutzt und Ausflüge gemacht. Mit dem Deutschlandticket ist das ja super einfach.“
Die Unterschiede zu ihrer Heimat merkt Alicia oft im Kleinen. „In Hamburg sagen wir zu Büchereien zum Beispiel Bücherhallen, weil das eine Institution ist. Mir war gar nicht bewusst, dass das kein richtiges Wort ist, sondern einfach nur ein Name. Dafür wird man aufmerksamer, öffnet seinen Horizont. Ich finde, das ist auch ein großer Vorteil, wenn man in ein anderes Bundesland zieht. Man merkt, wie viel größer die Welt eigentlich ist. Das finde ich sehr bereichernd.“ Ihr Fazit: „Ich habe es keinen Tag bereut, weggezogen zu sein. Ich liebe Hamburg immer noch und würde auch wieder hinziehen. Aber ich muss nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, in NRW zu bleiben.“
Studienort Witten:
Wo sind die gemütlichsten Cafés in Witten? Wie feiern die Studierenden am liebsten? Und welche Radwege lohnt es zu erkunden? Wir geben dir einen ersten Einblick in deinen Studienort! Außerdem verraten wir dir mehr über die Wohnsituation und die einzelnen Stadtteile: Wie wohnt es sich in Witten?