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Blog Universität Witten-Herdecke | Nächster Halt: Wittener Rathaus

Nächster Halt: Wittener Rathaus

Über Christian Walkers Weg vom PPE-Studium in die Politik

Christian Walker hat seinen Master in PPE – Philosophy, Politics and Economics (PPE) 2019 an der Universität Witten/Herdecke abgeschlossen und damit seinen Weg in die Politik geebnet. Als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen ist er seit vielen Jahren im Wittener Stadtrat aktiv und bringt sich mit seinem ehrenamtlichen Engagement auf vielfältige Weise für die Gemeinschaft ein. Jetzt will er es wissen und kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. Mit uns spricht er über die anstehende Kommunalwahl am 14. September 2025, über die Themen, für die er brennt, und über die Vorteile, ein Generalist zu sein.

Gab es einen Moment in deinem Leben, in dem dir klar wurde, dass du dich politisch engagieren möchtest?

Vor dem Studium in Witten habe ich einen Doppelbachelor in International Business and Management Studies absolviert. Damals war ich sehr karriereorientiert und wollte unbedingt in die Wirtschaft. Die Kehrtwende kam während meines Freiwilligen Sozialen Jahres. In einer Tagesförderstätte habe ich mit schwerst- und mehrfachbehinderten Erwachsenen gearbeitet. Diese Erfahrung war für mich sehr prägend und hat in mir den Wunsch geweckt, die Welt positiv zu verändern. Kurz darauf habe ich mich an der UW/H eingeschrieben und konnte mich hier in verschiedenen studentischen Initiativen einbringen. 2016 bin ich den für mich logischen nächsten Schritt gegangen und wurde Parteimitglied bei den Grünen.

Was macht deine Persönlichkeit und auch dein politisches Handeln aus?

Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Witten und bin tief in der Stadt verwurzelt; doch aufgewachsen bin ich in Nordfriesland. Ein bekannter nordfriesischer Leitspruch hat mich sehr geprägt: „Rüm hart – klaar kiming“ – was übersetzt heißt „Weites Herz – klarer Horizont“. Weltoffenheit und Toleranz sind mir sehr wichtig. Wer einen politischen Posten wie das Bürgermeisteramt anstrebt, sollte meiner Meinung nach ein Menschenfreund sein – und Gelassenheit mitbringen.

Du hast dich in Witten bereits vielfältig engagiert, vom inklusiven Café im Kulturstall über das Repaircafé bis hin zur Kinder- und Jugendarbeit. Was bedeutet für dich Engagement für die Gemeinschaft?

So wie ich das sehe, hat man die Wahl: Wenn mir etwas nicht passt, kann ich mich entweder beschweren, oder selbst etwas bewegen. Dafür muss ich nicht zwingend parteipolitisch aktiv werden. Ich finde es sehr bereichernd, im Ehrenamt unmittelbar mitgestalten und so Selbstwirksamkeit erfahren zu können. Viele meiner Bekannten, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren, strahlen eine unfassbare Zufriedenheit aus. Das ist doch erstrebenswert.

Seit 2020 bist du Mitglied im Stadtrat und hast durch deine Arbeit für Verena Schäffer, MdL, und Janosch Dahmen, MdB, bereits tiefe Einblicke in die politischen Abläufe auf allen politischen Ebenen erhalten. Nun kandidierst du für das Bürgermeisteramt. Wann hast du den Entschluss gefasst und was hast du seit der Kandidatur über dich gelernt?

Der Entschluss ist lange in mir gereift. Dabei habe ich die Fragen bewegt: „Will ich das?“ und „Kann ich das?“ Mir wurde klar, dass ich aufs Ganze gehen muss, um die Veränderungen bewirken zu können, die mir wichtig sind. Am Ende zählt aber vor allem der Rückhalt der anderen Parteimitglieder. Gemeinsam haben wir die Kandidatur in den letzten eineinhalb Jahren vorbereitet und stehen geschlossen zusammen.

Da ich Politik zuletzt aus der sogenannten zweiten Reihe mitbekommen habe, war das plötzliche Rampenlicht natürlich eine Veränderung. Inzwischen habe ich mich an die Öffentlichkeit gewöhnt, bin gelassener geworden und habe Lust auf den Wettkampf. Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass man für die politische Arbeit eine gute Portion „Lassenskraft“, also Geduld und Hartnäckigkeit, braucht. Veränderungen passieren nicht mit einem Fingerschnipp.

Welche Kompetenzen aus dem PPE-Studium an der UW/H helfen dir in deiner heutigen Position?

Im PPE-Studium lernt man schnell, wie Philosophie, Politik und Ökonomik ineinandergreifen. Schnittstellen und Zusammenhänge zu erfassen, sie zu nutzen und bei Bedarf zwischen verschiedenen Stakeholdern zu vermitteln, ist für meinen Alltag in der Politik entscheidend. An dem einen Tag beschäftige ich mich mit Lärmschutzkonzepten, an dem anderen mit Wohlfahrtsarbeit. Hier sind meine Fähigkeiten als Generalist gefragt: Im Studium habe ich gelernt, mich schnell in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten.

Stell dir vor, du gewinnst die Wahl. Es ist 2030 – worauf blickst du zurück?

Die Wittener Innenstadt blüht – sowohl wortwörtlich als auch im übertragenen Sinne: Versiegelte Flächen wurden durch Grünanlagen ersetzt, Geschäfte und Kultureinrichtungen haben Leerstände gefüllt und die Quartiere leben auf. Wir brauchen Begegnungsorte, die gerade älteren Menschen, zugezogenen Familien oder Alleinerziehenden zugutekommen.

Der Verkehr ist sicherer und gleichberechtigter geworden – für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, für PKWs und den ÖPNV.

Und: Bund und Länder haben erkannt, dass Kommunen von Schulden befreit werden und finanziell handlungsfähig sein müssen. Nur so können wir Innovationen durch kluge und nachhaltige Investitionen – vor allem im Sinne des Klimaschutzes – umsetzen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Ziele erreichen können.

Und was wünscht du dir für UW/H?

Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass die rund 3.500 Studierenden der UW/H bereits in vielen Bereichen der Stadt und des öffentlichen Lebens wirken – ob im Rettungsdienst, der Freiwilligen Feuerwehr, in der Gastronomie, in Kultureinrichtungen oder im Kinderschutzbund. Das persönliche Engagement jeder und jedes Einzelnen ist enorm! Trotzdem habe ich manchmal den Eindruck, dass die UW/H sich, vielleicht aufgrund der dezentralen Lage, noch nicht vollständig in das Stadtbild einfügt. Die vielfältige Netzwerkarbeit und die Angebote des Studium fundamentale wirken bereits dagegen und sorgen für Begegnungen und Austausch. Als Teil der Universitätsgemeinschaft möchte ich weiter an dem Selbstverständnis der Universitätsstadt Witten arbeiten und Studierende darin bestärken, sich für das Gemeinwohl ihres Studienortes zu engagieren.

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