„Ich wollte mal raus.“ – Pia Klee über Unabhängigkeit, Gemeinschaft und Lernen in Witten
Seit Oktober 2025 studiert Pia an der Uni Witten/Herdecke Humanmedizin. In kürzester Zeit hat sie ihre neuen Kommiliton:innen und ihren Studienort kennen und lieben gelernt.
Für Pia Klee war der Umzug nach Witten vor allem eines: ein bewusster Schritt in die Eigenständigkeit. Die 20-Jährige ist in Wiesbaden in Hessen aufgewachsen, umgeben von ihrer Familie, Altbau-Charme und viel Natur. Gleichzeitig erlebt sie die Großstadt auch als anonym und weitläufig. Für ihr Medizinstudium hat sie sich für einen Neustart im Ruhrgebiet entschieden, um nach ihrem eigenen Rhythmus zu leben. In Witten hat sie genau das gefunden – Verantwortung für eine eigene Wohnung, neue Herausforderungen und eine Uni, die Lernen anders denkt.
Der Wunsch, selbstständig zu sein
Schon lange ist für Pia klar, dass sie nach der Schule ausziehen möchte. „Ich wollte unbedingt auf eigenen Beinen stehen und unabhängiger sein“, sagt sie. Nicht mehr gefragt werden, wann man zum Essen nach Hause kommt oder wer den Geschirrspüler ausräumt, sondern den Alltag selbst organisieren. Nach der Zusage von der UW/H macht sie sich zunächst auf die Suche nach einer WG. Doch die Zeit bis zum Studienstart drängt und die Rückmeldungen der potenziellen Mitbewohner:innen verzögern sich. Kurzerhand ändert Pia ihren Plan und schaut sich auf den Vorschlag ihrer Eltern hin auch Wohnungen für sich allein an. Im Stadtteil Witten-Mitte, direkt am Hauptbahnhof und unweit des beliebten Wiesenviertels, wird sie fündig. „Das wird ja überall hoch angepriesen – und ich verstehe auch, warum. Die kleinen Bars und Cafés; alles ist nah beieinander.“ Pia hat ihren Studienort so schnell schätzen gelernt. Sie erzählt: „Meine Kommiliton:innen wohnen alle um die Ecke. Das kenne ich von zu Hause nicht. Dort bin ich immer 40 Minuten gefahren, bis ich an der Schule oder bei einer Freundin war. Hier bin ich meist nur zehn Minuten zu Fuß unterwegs – das ist super angenehm.“
Ihren ersten Eindruck von Witten hat sie allerdings alles andere als positiv in Erinnerung: „Als ich mit meinen Eltern für den Infotag zum ersten Mal nach Witten kam, waren wir ein bisschen schockiert. Es ist einfach das Ruhrgebiet. Aber inzwischen habe ich entdeckt, wie schön es hier ist.“ Für den Sommer steht für die begeisterte Schwimmerin und Rennradfahrerin der Kemnader See ganz oben auf ihrer Liste. Und selbst der Wittener Weihnachtsmarkt hat sie überrascht: „Sehr schnuckelig.“
Trotz des großen Schrittes, von zu Hause aus- und in ein anderes Bundesland zu ziehen, spielt Heimweh bei Pia kaum eine Rolle. Schon als Kind war sie viel unterwegs, auf Klassenfahrten und Ferienfreizeiten. „Ich kenne das Gefühl irgendwie nicht so“, sagt die Studentin. Natürlich freut sie sich bei Heimatbesuchen auf ihre Familie – aber genauso auf ihre eigene Welt. Dass sie in Witten schnell Anschluss gefunden hat, macht vieles leichter. „Man ist eigentlich nie wirklich alleine.“
Medizin als Herzensentscheidung
Den Wunsch, Medizin zu studieren, entwickelte Pia früh. Beide Eltern sind Zahnärzt:innen mit einer eigenen Praxis im Haus. In der Schule begeisterte sie sich besonders für Naturwissenschaften und für alles, was mit dem Menschen zu tun hat. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem Krankenhaus in Wiesbaden. Dort wurde ihr endgültig klar: Das ist es. „Ich habe mich jeden Tag auf die Patient:innen und Kolleg:innen freut“, erzählt sie. Besonders das Arbeiten im Team und die familiäre Atmosphäre im Klinikum bestätigten sie in ihrer Entscheidung.
Über Empfehlungen aus dem Freundeskreis stieß sie schließlich auf die UW/H. Was sie sofort faszinierte, war die Haltung hinter dem Studium: der ganzheitliche Blick auf den Menschen, nicht nur auf Symptome oder einzelne Fachgebiete. Ein Ansatz, der sich für sie stimmig anfühlte. „Das wurde mir auch von meinen Eltern immer so beigebracht. In ihrem Fall galt, dass man sich nicht nur den einzelnen kranken Zahn anschaut, sondern auch das Drumherum einbezieht.“ Zwei Wochen vor Bewerbungsschluss bewarb sie sich – und wurde angenommen.
Ankommen – in einer Gemeinschaft und im Studium
Schon vor Semesterbeginn entstand ein erstes Gefühl von Gemeinschaft. In einer WhatsApp-Gruppe knüpften die neuen Erstsemester Kontakte. Als Pia las, dass eine Kommilitonin aus Mainz kommt – ganz in der Nähe ihrer Heimat – schrieb sie sie direkt an. „Wir müssen uns treffen. Ich würde dich gerne schon vor Studienbeginn kennenlernen.“ Am ersten Uni-Tag war sie dadurch nicht allein. Doch auch mit den anderen Medizin-Anfänger:innen fühlte sich die 20-Jährige direkt verbunden. „Alle waren noch orientierungslos, aber super offen und interessiert.“
Als einen entscheidenden Grund für ihre Bewerbung in Witten nennt Pia das Problemorientierte Lernen (POL). Bei dieser praxisnahen Lehr- und Lernmethode erarbeiten sich die Studierenden disziplinübergreifendes medizinisches Wissen an realen Patient:innenfällen. „Sich nicht ohne System in ein Buch hineinzustürzen, sondern zu hinterfragen und Zusammenhänge zu erkennen – diese Art des Lernens ist für mich total einleuchtend“, sagt Pia. Besonders wertvoll empfindet sie die Lernberatung in der Humanmedizin an der UW/H. „Wir bekommen so viele Werkzeuge an die Hand, um mit der Stoffmenge klarzukommen.“ Zu wissen, dass es feste Ansprechpersonen gibt, sei gerade in anspruchsvollen Phasen enorm entlastend.
Pia möchte aus diesem neuen Lebensabschnitt das Meiste herausholen. Deshalb belegte sie bereits zu Beginn möglichst viele Kurse, meldete sich freiwillig als Semestersprecherin und informierte sich über Möglichkeiten, ihr Studileben abseits des Seminarraums voll auszukosten. Besonders beeindruckt hat sie dabei die Vielfalt der studentischen Initiativen. „Was Studierende hier auf die Beine stellen, ist unglaublich!“ Inzwischen ist sie Mitglied des Future Doctors Network sowie der Initiative Herzergreifend und hat im Engagement einen besonderen Ausgleich gefunden. „Für mich ist das wie ein Hobby, das ich hier an der Uni mit meinen Kommiliton:innen teile.“
Pias Neugier und das Bedürfnis, vieles auszuprobieren, legt sie auch anderen ans Herz, die gerade am Anfang ihres Studiums stehen oder dies noch vor sich haben. „Das Wichtigste ist, offen zu sein und die Freiheiten, die einem geboten werden, auch zu nutzen.“