Von den Bergen ins Ruhrgebiet:
Warum Julia Landherr für ihr Traumstudium nach Witten zog

Julia ist mittendrin in ihrem ersten Semester Humanmedizin an der UW/H. Mit uns spricht sie über Ziele, Mut, Heimat und guten Bergkäse.
Wenn man Julia Landherr zuhört, merkt man sofort: Dieser Schritt war groß. Die 19-Jährige hat ihre vertraute Heimat Garmisch-Partenkirchen in Bayern hinter sich gelassen, um in NRW Medizin zu studieren. Nach dem Abitur hat sie bereits den Bundesfreiwilligendienst in einem Krankenhaus absolviert und so erste Einblicke in ihren Traumberuf erhalten. Zwischen ihren Schichten schrieb sie Bewerbungen. „Ich habe nach Unis gesucht, die Medizin als Modellstudiengang anbieten, und da war die Uni Witten/Herdecke dabei. Ich hatte zunächst keine Ahnung, wo Witten überhaupt liegt, aber die Beschreibungen auf der Website haben mich angesprochen.“ Mit der Zusage der UW/H stand schließlich auch der Umzug an.

„Für viele ist mein Heimatort wahrscheinlich das Klischee Bayerns. Hier tragen die Menschen zu festlichen Anlässen Tracht, die Kühe werden täglich auf die Alm getrieben und der Blick auf die Berge ist selbstverständlich“, erzählt Julia. Umso größer war für sie der Kontrast bei ihrer ersten Zugfahrt ins Ruhrgebiet: „Umgeben von Wiesen und Feldern bin ich aufgebrochen und zwischen Industrie und Großstadtflair gelandet.“
Auch in Alltagssituationen bemerkte Julia anfangs kleine kulturelle Unterschiede: Ein „Grüß Gott“ beim Wocheneinkauf sorgte eher für Verwirrung und die Käseauswahl entsprach nicht ganz dem, was die Studentin aus Oberbayern gewohnt ist. „Ich stand vor dem Kühlfach und dachte: Butterkäse, Emmentaler – ist jetzt alles nicht so das Wahre.“ Immerhin fand sie schließlich in einer Ecke eine kleine Packung österreichischen Bergkäse – ein Stückchen Heimat im Supermarktregal.
Wohnungssuche aus der Ferne
Wie viele Studierende, die für ihr Studium umziehen, war Julia bei der Wohnungssuche komplett auf die Online-Recherche angewiesen. Dabei halfen ihr Plattformen wie Kleinanzeigen oder WG-Gesucht. „Ich wollte auf jeden Fall in eine WG und führte mehrere WG-Calls, bekam aber zunächst nur Absagen – meistens, weil ich zu jung sei und bisher nur Zuhause gewohnt habe.“ Nach einer anfänglichen Zwischenmiete fand sie schließlich eine WG in Witten-Mitte und dort fühlt sie sich erstmals richtig angekommen. „Die Lage ist für Studierende ideal! Gerade, wenn man lange in der Bib lernen oder abends noch weggehen möchte“, sagt Julia und hat einen Tipp für alle, die aus anderen Bundesländern kommen: „In Mitte sind die WGs sehr umkämpft. Fangt möglichst früh mit der Suche an – am besten direkt nach der Zusage.“ Begeistert ist Julia von den Mietpreisen, die im Ruhrgebiet wesentlich niedriger sind als in Oberbayern. „Für das Geld, was ich hier für eine Wohnung zahle, würde ich in Garmisch nicht mal ein Zimmer bekommen.“
Ankommen: Zwischen Orientierungslosigkeit und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit
Die vielen neuen Eindrücke am ersten Unitag waren für Julia sehr aufregend. Doch mit diesem Gefühl war die 19-Jährige nicht allein. „Alle Neuankömmlinge waren irgendwie gleich orientierungslos. Wir saßen alle im selben Boot.“ In der Eingewöhnungszeit hat ihr das Patensystem für Erstsemester besonders geholfen. „Ich habe eine ganz liebe Patin aus dem dritten Semester erwischt. Sie hat mir die Angst genommen, weil ich wusste, dass sie nur einen Knopfdruck entfernt ist, wenn ich Fragen habe und sie brauche.“ Einige Studierende mailen nur wenige Male mit ihren Paten hin und her, bei anderen entwickelt sich daraus eine echte Freundschaft, die sie durch die Studienzeit begleitet. Julia hat außerdem bereits vor Studienbeginn Verbündete gefunden, die sie bei den Auswahlgesprächen kennengelernt hat. „Wir haben direkt Nummern ausgetauscht und uns schließlich für den ersten Unitag verabredet.“ Das familiäre Gefühl auf dem Campus gibt ihr Sicherheit: „Uns wird gezeigt, dass wir hier sind, weil wir hier sein sollen. Das merke ich auch in meinem Jahrgang. Jede Persönlichkeit wurde gezielt ausgewählt und passt zu dieser Uni.“
Die ersten Semesterwochen waren intensiv: Kennlernveranstaltungen, Einführungen in naturwissenschaftliche Grundlagen und viel neuer Lernstoff! „Wenngleich es super anstrengend war, so wurden wir doch stets gut aufgefangen. Es ist extrem surreal, dass ich das alles lernen darf. Ich glaube, es war wirklich eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, sagt Julia.

Heimweh über 700 Kilometer Entfernung
Mehr als 700 Kilometer liegen nun zwischen ihr und ihrer Familie. Aufgrund ihres vollen Stundenplans und Lernzeiten in der Bibliothek bleibt oft wenig Zeit zum Grübeln. Doch natürlich gibt es Momente, in denen sie ihre Liebsten vermisst. Besonders wertvoll ist für sie eine Kiste voller „Wenn-Päckchen“, ein Abschiedsgeschenk ihrer Freundesgruppe: „Wenn du mal Heimweh hast“, „wenn du uns vermisst“ – jedes Päckchen ist eine kleine Unterstützung, wenn eine echte Umarmung nicht möglich ist. Was Julia außerdem hilft: Musik, die sie an gemeinsame Erlebnisse mit ihren Freund:innen erinnert, oder eins ihrer Lieblingsgerichte, wie Blaukraut mit Spätzle.
Mit dem Neustart in Witten verbindet Julia auch eine extreme Persönlichkeitsentwicklung. Bereits in der Zeit vor Studienbeginn hat sie durch die Arbeit im Krankenhaus, die Bewerbungsphase und die Organisation des eigenen Umzugs viel über Struktur, Durchhaltevermögen und Zeitmanagement gelernt – Qualitäten, die ihr jetzt im Studium zugutekommen.

„Ich bin teilweise ein sehr verkopfter Mensch, versuche aber, mich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen“, sagt Julia. Wichtig ist für sie dabei ein sportlicher Ausgleich, den sie im Tanzen findet. Als Kursleiterin für Contemporary Dance im Hochschulsport schafft sie sich bewusst Raum außerhalb der „Uni-Bubble“. Für die gelernte Fitnesstrainerin war Sport stets ein fester Bestandteil. Umso dankbarer ist sie, ihre Freude am Tanzen nun auch in ihrer neuen Umgebung an andere weitergeben zu können.
Offenheit, Miteinander und ein Wort für Witten
Was sie an der Gemeinschaft in Witten besonders schätzt: „Die Menschen hier sind so eingestellt, dass jeder seine eigene Meinung haben kann. Niemand verurteilt irgendjemanden.“ Das merkt sie unter anderem in den Kursen im Studium fundamentale (Stufu), in denen Studierende aller Fachrichtungen zusammenkommen. „Das Coole ist, dass die Leute hier so offen sind. Es spielt keine Rolle, ob man Management oder Medizin studiert. Denn offensichtlich haben alle Teilnehmenden denselben Kurs gewählt, sodass sie etwas zu verbinden scheint.“
Wenn sie Witten als ein Gefühl beschreiben müsste, wäre es aktuell vor allem „Neugierde“. „Abgesehen von den vielen Dingen und Menschen, die ich noch kennenlernen will, glaube ich, dass man als Studentin oder Student neugierig sein muss, sonst hat man irgendwo etwas falsch gemacht.“
Studienort Witten:
Wo sind die gemütlichsten Cafés in Witten? Wie feiern die Studierenden am liebsten? Und welche Radwege lohnt es zu erkunden? Hier bekommst du einen ersten Eindruck von deinem Studienort!
Du wagst wie Julia das Abenteuer und willst fürs Studium nach Witten ziehen? Wir geben dir wertvolle Tipps und verraten dir, was die einzelnen Stadtteile zu bieten haben.
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